Nachhaltig Abfall vermeiden

Nein, früher war nicht Alles besser.

Was aber auf jeden Fall besser für die Umwelt war – bevor man einen Gegenstand wegwarf, versuchte man ihn zu reparieren. Durch Faktoren wie der Veränderung unseres Konsum- und Nutzungsverhaltens und den Anstieg des Wohlstands, entstand das aktuell gültige System der „Wegwerfgesellschaft“. Die Müllberge steigen und das alte Know-How, defekte Dinge zu reparieren, gerät immer mehr in Vergessenheit.
Doch das Bewusstsein zur Schonung unserer Ressourcen und der Umwelt wächst ständig an, und damit auch die Motivation, Abfall, wenn möglich, zu vermeiden. Die "Rs" zur Abfallvermeidung „Rethink – refuse – reduce – repair – repurpose – recycle“ sind den meisten von uns inzwischen geläufig. Flohmärkte und Second-Hand-Veranstaltungen und -Onlinebörsen liegen voll im Trend.

Reparieren statt Wegwerfen: Das Repair Café kommt als GREEN EVENT TIROL zurück nach Kufstein

GET Repair Café Kufstein 2021

Was ist ein Gegenstand heute noch wert? Beim Repair Cafè

am 2. Oktober von 13-17 Uhr in der Kulturfabrik Kufstein

wird der Wert von Dingen geschätzt und ihnen eine weitere Chance gegeben. Das Wissen, ob und wie Dinge zu reparieren sind, liefern ehrenamtliche Bastler, Näher, Elektriker, Holzfachleute und Handwerker.
Begutachtet bzw. gemeinsam repariert wird, was transportiert werden kann: Kleidung, Möbel, E-Geräte, Fahrräder, Spielzeug, Computer, Musikinstrumente ...

Die Besucher melden am Empfang ihr zu reparierendes Teil an und werden dann an den jeweiligen Ehrenamtlichen vom Fach verwiesen. Der Erfolg der Reparatur kann nicht garantiert werden. Doch der Versuch, defekten Dingen eine 2. Chance zu geben, wird gemeinsam unternommen. Dabei leiten die Reparateure die Besucher nach dem Motto „learning by doing“ an.

Es geht um das Miteinander, um das Voneinander-lernen und der aktiven Vermeidung von Abfällen. Kaffee, Tee und selbstgemachte Kuchen verschönern die Wartezeit, bis man selbst an der Reihe ist. Im Austausch mit anderen Besuchern und den Ehrenamtlichen wird altes Wissen weitergegeben.

Sollte ein Gegenstand nicht mehr zu reparieren sein, wird er fachgerecht entsorgt. Die Reparaturen sind kostenlos (freiwillige Spenden sind natürlich willkommen).

„Ich erinnere mich, welche Freude die alte Dame hatte als ihr defekter Radio beim letzten Repair Café repariert wurde. Schöne Erinnerungen hingen an dem Gerät aus den 60ern. Als sie mit dem wieder funktionstüchtigen Stück ging, strahlte sie bis über beide Ohren,“ so Manfred Zöttl, der motiviert ist Repair Cafés nun wieder regelmäßig zu veranstalten.

Ein ganz besonderes Duo: im Rahmen des Repair Cafés wird dieses Jahr eine Kleidertauschbörse stattfinden. In Kooperation mit dem Jugendgemeinderat Kufstein darf Kleidung so ihren Besitzer wechseln. Vom 29. September bis inklusive 2. Oktober (je 13 bis 17 Uhr) kann Kleidung im Jugendzentrum abgegeben werden.

Eine ganz besondere Ehre: die Veranstaltung wurde durch das Klimabündnis Tirol als Green Event Tirol ausgezeichnet. Inhaltlich und auch bei Planung, Organisation und Umsetzung wird also verstärkt auf Nachhaltigkeit geachtet. Eine runde Sache!

Die Facebook-Veranstaltung findest du hier.

Repair Cafés tirolweit: repaircafe-tirol.at

Was Rs mit Abfallvermeidung zu tun haben

Abfallkreislauf

Es gibt sogar Kinderlieder über sie - die "Rs der Abfallvermeidung". Materialien und Gegenstände sollen demnach so lange wie möglich im Umlauf bleiben und erst als letzte Option recycelt werden.
Was Kinder bei gemütlichen Klängen lernen, sollten auch wir uns wieder in Erinnerung rufen:

Rethink: überdenke deine Kaufentscheidung. Kaufe lieber einmal hochwertig und ggf. teuer, als mehrmals billig einzukaufen und nach kurzer Nutzungsdauer wegzuwerfen. Also Qualität vor Quantität.

Refuse: sag „Nein“ zu Dingen, für die du ohnehin keine Verwendung hast. Ob Plastiklöffel im Tüteneis, Werbegeschenke oder Werbung, die du täglich im Postkasten hast, aber nie liest – sag einfach mal „Nein“ zu leicht vermeidbarem Abfall und gleichzeitig „Ja“ zur Umwelt.

Reduce: reduziere unnötigen Abfall. Dir wird bald auffallen, wie viele Möglichkeiten es hier gibt: Großpackungen statt Kleinstverpackungen kaufen; Obst und Gemüse, das offen im Supermarkt verkauft wird gegenüber (mehrfach) verpackten Angeboten bevorzugen und in mitgebrachten Gemüsenetzen transportieren; Getränkeflasche statt Einwegplastikflasche, Coffee-to-go-Becher statt Einwegbecher, Rucksack statt x-tem Stoffbeutel, leihen / Pfand statt kaufen,...

Repair: bevor du ein defektes Teil wegwirfst, versuche es zu reparieren. Wenn du es selber nicht schaffst, frag in deinem Umfeld oder in Fachgeschäften nach. Viele Bastler freuen sich, wenn sie Gegenstände erfolgreich reparieren können. Komm zum Repair-Café und lerne die Handgriffe, die zur Reparatur benötigt werden.

Repurpose: gib Dingen einen neuen Zweck. Zum Beistpiel: Das Apfelmusglas ist standardmäßig ein Einwegglas, kein Mehrwegglas mit Pfand. Das bedeutet, nach der einmaligen Verwendung wird das Glas entsorgt, eingeschmolzen und in eine neue Form gegossen. Um eine Portion Apfelmus im Regal anzubieten, wurden Rohstoffe und Energie verbraucht, Treibhausgase ausgestoßen und Abfall produziert. Dahinter steckt ein großer Energieaufwand.

Nachhaltige Zukunftsaussichten ohne Abfall: „Cradle to cradle“

Cradletocradle

Cradle to Cradle (C2C) („Von der Wiege zur Wiege“) ist ein nachhaltiges Kreislaufsystem ökoeffektiver Materialien. Produkte entstehen aus Materialien natürlicher Verwertungskreisläufe. Diese sollen recycelbar oder kompostierbar und frei von Schadstoffen sein.

Abfall Abrieb

„Ökoeffektive“ Materialien sind Rohstoffe, die im Kreislauf verbleiben, sie werden also kontinuierlich genutzt. Damit nicht zu verwechseln sind „ökoeffiziente“ Materialien.

Durch einen höheren Anteil an recyceltem Plastik werden hier Ressourcen geschont. Am Ende der Nutzungsdauer fällt aber trotzdem Müll an. Am Beispiel Bremsbelege wird der Unterschied deutlich:


Ökoeffizient: Bremsbelege, die weniger Abrieb haben, aber trotzdem aus Materialien bestehen, die nicht biologisch abbaubar sind.



Ökoeffektiv: Bremsbelege entwickeln, die aus biologisch abbaubaren Materialien bestehen und frei von Schadstoffen sind. Der Abrieb kann in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden. Es entsteht kein Abfall, sondern neue Nährstoffe, die als Grundlage für neue Rohstoffe dienen.

cradle-to-cradle

Es ist also möglich, Produkte so entwickeln, dass sie zerlegt und ihre Bestandteile recycelt und so wieder in den Kreislauf eingespeist werden können. Das „Cradle to Cradle Products Innovation Institute“ führt Produktzertifizierungen durch und vergibt das C2C-Logo.

Derzeit sind zertifizierte Produkte noch nicht leicht zu finden, doch die Vision einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft wird besonders bei jungen, modernen Produktkonzepten berücksichtigt.

Um ein Anwachsen der Müllberge und die damit verbundenen Umweltproblem zu reduzieren, ist es sinnvoll die Idee von C2C weiter auszubauen und bei der Entwicklung neuer Produkte miteinzubeziehen. Nachhaltigkeit wird in Zukunft vermehrt zum Verkaufsargument.

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